Digitale Transformation – Klärung und Einordnung

Die digitale Transformation ist das Leitthema unserer Zeit und bestimmt sehr viele Diskurse, so auch in der Bildung. Doch was ist damit eigentlich gemeint?

In der Wikipedia heißt es dazu:

Die digitale Transformation (auch „digitaler Wandel“) bezeichnet einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der in wirtschaftlicher Hinsicht speziell Unternehmen betrifft. Im engeren Sinne wird als digitale Transformation häufig der durch digitale Technologien oder darauf beruhenden Kundenerwartungen ausgelöste Veränderungsprozess innerhalb eines Unternehmens bezeichnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Transformation

Hier geht es also um Technologien und Ökonomie und Veränderungen (in Unternehmen). Von Bildung ist etwas weiter unten auch die Rede, doch was da steht, hat für mich mehr mit forschendem Lehren als mit digitalem Wandel zu tun. Das hilft also nicht wirklich weiter.

Heidrun Allert schreibt in einem Beitrag für die Synergie, dass es keinen Automatismus zwischen Digitalisierung und Transformation gibt. Nur weil nur digitale Technologien genutzt werden, werden die damit verbundenen Handlungen nicht immer auch transformiert, also anders also zuvor. So geht es beispielsweise in der digitalen Ökonomie immer noch um wirtschaftliche Praktiken, die auf ein neues Feld erweitert werden.

Ein weiteres prägnantes Beispiel ist das Lernen, das durch die Digitalisierung, d.h. den Einsatz von Learning Analytics, auch nicht transformiert wird, sondern den algorithmisch analysierten Regeln und Logiken des Lernprozess folgt. Das Lernen bleibt in einem vorgegebenen Rahmen und überschreitet diesen nicht. Genau das wäre transformativ, wie es so auch der Bildungstheorie von Marotzki oder in der sehr ähnlichen transformativen Lerntheorie beschrieben ist.

Bei Bildung verändert sich ein Mensch, dadurch dass neue Kategorien entstehen, wie die Welt gedeutet und interpretiert wird. Das gibt Handlungssicherheit und Orientierung, ist jedoch ein anspruchsvoller Prozess. Auch Verschwörungstheorien, die in Corona-Zeiten gerade wieder viel Aufmerksamkeit erfahren, bieten Orientierung durch Komplexitätsreduktion an. Dabei geht es aber nicht um Transformation, sondern um Verfestigung und Radikalisierung bereits bestehender Weltanschauungen. Es ist auch ein wenig selbstbestimmter Prozess, sondern kaut die vorgegebenen Deutungen nur wieder. Es ist Anti- oder Ent-Bildung.

Versteht man die digitale Transformation nicht nur als Transformation der Technologien, sondern auch weiterer gesellschaftlicher Teilbereiche wie der Kultur und Bildung, so ist das Bild ambivalent. Charakteristisch ist der starke Fokus auf den Einsatz digitaler Technologien und Medien als Indikator für Innovation (siehe dazu diesen Artikel zum Schulbereich) und darum wird auch von der Politik viel Geld für technische Ausrüstung ausgegeben (hier ein Beispiel). Aber was ist mit den Praktiken? Transformieren die sich auch durch den Einsatz von Tablet und co. so, wie es in den Bildungstheorien postuliert wird? Dafür notwendig wären neue Kategorien bzw. Rahmenbedingungen, unter denen Unterricht und Lehre stattfinden. Bleibt es mehr oder weniger beim alten – das Whiteboard wird als Tafel verwendet – hat das wenig Bildungspotenzial. Werden dagegen neue offene Formate und offene digitale Praktiken verwendet, löst das Irritation aus, hat aber gleichzeitig auch das Potenzial zur Herausbildung neuer Kategorien.

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