Menu Home

Ideologische Infusion: Dokumentation meines Vortrags in Wien

Gestern war es soweit: Bei der Jahrestagung der Sektion Medienpädagogik (DGfE) in Wien, die in diesem Jahr unter dem Thema „Medien im Krieg“ stand, habe ich gemeinsam mit Heidrun Allert das Symposium „Ideologische Infusion: Wie Cyberlibertarismus und Human Potential Movement Infrastruktur und Subjekt durchdringen“ gestaltet. Mein Teil betraf die Infrastruktur, Heidrun hat die Subjektebene übernommen, und Alessandro Barberi hat beide Beiträge kommentiert.

Worum ging es?

Ausgangspunkt war eine Pressemitteilung aus NRW: 2024 haben die Hochschulen ein gemeinsames Security Operation Center bekommen, das „Einfallstore“ in der Technik sucht. Das ist richtig, aber es betrifft nur die Außenseite. Ich habe gefragt, ob es solche Einfallstore nicht auch im Vokabular gibt: Steuerung, Effizienz, Freiheit, Souveränität. Das sind Begriffe, mit denen wir Bedrohungen abwehren wollen und die zum Teil aus derselben Quelle stammen wie das Abzuwehrende.

Dafür nutze ich die Figur der ideologischen Pipeline. Sie besteht aus einer Fracht (rechtsautoritäres Denken, verpackt als Innovation), einer Leitung (Cyberlibertarismus als Trägerideologie) und Endpunkten (demokratische Institutionen, allen voran die Hochschule). Mit Langdon Winners drei Merkmalen des Cyberlibertarismus, also technologischem Determinismus, Marktfundamentalismus und rechtem Denken, habe ich dann drei Phasen des deutschen Hochschuldiskurses durchgesehen: E-Learning, Digitalisierung (MOOCs, HFD, Nationale Bildungsplattform) und KI/Souveränität. Am Ende standen drei Aufgaben für die Medienpädagogik: Begriffsarbeit, Infrastrukturkritik und Genealogie.

Es muss nicht so kommen. Das zeigt schon das Material selbst. Die HRK hat 2014 die richtigen Fragen zu kommerziellen Plattformen gestellt, der Bezirk Lichtenberg hat sich kürzlich geweigert, CrowdStrike Vollzugriff zu geben, und das „Nicht-Semester“ 2020 war ein Weg, der hätte gegangen werden können. Darauf müssen wir sehr gut aufpassen, in der Analyse wie in der Darstellung.

Wir gehen stattdessen so vor, dass die Elemente der Figur wie eine Brille genutzt werden. Mit ihr blicken wir auf die Diskurse zur Hochschuldigitalisierung und prüfen dann, was sichtbar wird und was nicht. Die Pipeline ist also ein Instrument, um Fragen zu stellen, und keine Prognose. Diese Klarstellung nehme ich in die weitere Ausarbeitung mit.

Folien als PDF herunterladen

Categories: Ideologiekritik

admin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.